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Glutenfrei leben: Ellen & Saar
Gepostet am: 16-06-2026 18:15
„Eine große Entdeckungsreise mit immer mehr neuen Erkenntnissen“
Manchmal fügen sich die Puzzleteile erst zusammen, wenn man zurückblickt. Für Ellen (41) und ihre Tochter Saar (9) kam die Diagnose Zöliakie unerwartet und erklärte gleichzeitig vieles. Was als Vorsorgeuntersuchung begann, veränderte ihren Alltag grundlegend. Inzwischen ernähren sich Ellen und Saar seit etwa einem halben Jahr glutenfrei. Was anfangs wie eine enorme Umstellung wirkte, hat ihnen gezeigt, dass viel mehr möglich ist, als sie zunächst gedacht hatten.
Eine lebhafte Familie mit einer überraschenden Entdeckung
Zusammen mit ihrem Partner Alfred und ihren Töchtern Saar und Lien lebt Ellen in Haren nahe Groningen. Als Psychologin arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen, während Saar ihre Tage mit Schule, Hockey und Geigenunterricht verbringt. Ihr Familienleben war bereits voller Aktivitäten, bevor Gluten zu einem zusätzlichen Thema wurde. Ganz überraschend kam die Zöliakie jedoch nicht.
„Nachdem sich jemand aus meiner direkten Familie untersuchen ließ, haben wir uns ebenfalls intensiver mit dem Thema beschäftigt. Als wir darüber gelesen haben, erkannten wir einige Merkmale bei Saar wieder. Deshalb dachten wir: Lass uns zumindest ausschließen, dass sie betroffen ist.“
Da Zöliakie erblich bedingt sein kann, entschied sich Ellen, sich gleichzeitig testen zu lassen. Zu ihrer Überraschung zeigte die Blutuntersuchung, dass beide an Zöliakie leiden.
Beschwerden, die im Nachhinein plötzlich Sinn ergaben
Auffällig war, dass weder Ellen noch Saar die typischen Bauchbeschwerden hatten. Deshalb hatten sie zunächst nie an Zöliakie gedacht. Rückblickend gab es jedoch einige Anzeichen, die plötzlich Sinn ergaben.
Bei Saar fiel vor allem auf, dass sie langsamer wuchs als ihre Altersgenossen. Ellen bemerkte sogar, dass Kleidungsstücke, aus denen Saar herausgewachsen war, nahezu direkt an ihre fünf Jahre jüngere Schwester weitergegeben werden konnten. Außerdem war Saar oft müde, schneller traurig oder gereizt und hatte weniger Energie als andere Kinder.
Auch bei Ellen fügten sich verschiedene Puzzleteile zusammen.
„Ich hatte jahrelang einen Eisenmangel, der sich einfach nicht richtig verbessern wollte. Außerdem dachte ich immer, dass ich Alkohol nicht gut vertrage. Im Nachhinein glaube ich, dass es vor allem Bier war, auf das ich empfindlich reagiert habe.“
Beschwerden, die lange als „normal“ angesehen wurden, hatten letztendlich doch eine klare Ursache.
Das Weihnachtsessen als erste Herausforderung
Der Zeitpunkt der Diagnose war besonders. Am Freitag erhielten sie das Ergebnis, und nur wenige Tage später stand das Weihnachtsessen in der Schule an.
„Das war sofort die erste Frage: Wie gehen wir jetzt damit um?“
Zum Glück zeigte sich ihr Umfeld unglaublich hilfsbereit. Eltern, Schule und Familie wollten sofort mitdenken. Das war der Beginn von etwas, das sie bis heute erleben: Menschen nehmen gerne Rücksicht auf Saar, wenn sie wissen, was nötig ist.
„Bei Geburtstagsfeiern oder kleinen Aufmerksamkeiten wird oft an Saar gedacht. Kürzlich wurden Donuts verteilt, und für sie wurde extra ein glutenfreier Donut organisiert.“
Gerade diese Unterstützung machte den Übergang zu einem glutenfreien Leben deutlich leichter.
Traurigkeit über Dinge, die plötzlich nicht mehr erlaubt sind
Trotzdem war die Umstellung nicht immer einfach. Besonders für Saar war sie zunächst sehr einschneidend. Mit neun Jahren weiß man schließlich schon genau, was man gerne isst und damit auch, was man vermissen wird.
„Kroketten, Bitterballen, bestimmte Kekse. Das sind Dinge, bei denen man plötzlich hört, dass man sie nicht mehr essen darf.“
Hinzu kam etwas, das viele Kinder kennen: nicht anders sein zu wollen als die anderen.
„Saar wollte einfach dasselbe essen wie ihre Freunde und nicht diejenige sein, die immer etwas anderes bekommt.“
Diese Traurigkeit war vor allem am Anfang präsent, wurde mit der Zeit aber immer weniger.
Auf Entdeckungstour im glutenfreien Sortiment
Direkt nach der Diagnose machten sich Mutter und Tochter gemeinsam auf die Suche nach neuen Lieblingsprodukten.
„Wir haben einen Einkaufswagen voller Produkte mitgenommen und einfach ausprobiert. Was schmeckt uns? Was funktioniert gut und was nicht?“
Es wurde eine Entdeckungsreise voller Überraschungen. Inzwischen liest Saar selbstständig Zutatenlisten und weiß immer besser, worauf sie achten muss. Auch wenn nicht alles sofort überzeugte, fanden sie glücklicherweise viele Produkte, die ihnen wirklich gefallen.
Brot war zunächst eine Herausforderung. Viele glutenfreie Varianten aus dem Supermarkt empfanden sie als trocken und geschmacklich weniger überzeugend. Mittlerweile haben sie jedoch ihre Favoriten gefunden. Saar liebt besonders die Tigerbrötchen und das Braunes Brot von Backerei Leo. Dank dieser Entdeckung ist Brot wieder etwas geworden, das sie wirklich gerne isst. Ellen greift am liebsten zum Mehrsaaten Baguette und zu den Cranberry Kürbiskern Cookies. Produkte zu finden, die beiden schmecken, hat die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung deutlich erleichtert.
Das neue Normal
Nach etwa einem halben Jahr glutenfreier Ernährung fühlt sich vieles für Ellen und Saar bereits ganz normal an.
Zu Hause haben sie feste Routinen entwickelt, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden. Es gibt klare Absprachen darüber, wer zuerst Brot schmiert, und die Familie weiß inzwischen genau, worauf sie achten muss, wenn Saar zu Besuch kommt oder übernachtet. Außerdem nimmt sie grundsätzlich etwas Eigenes mit, wenn sie bei Freunden spielt.
Natürlich gibt es weiterhin Herausforderungen. Urlaubsreisen erfordern zusätzliche Vorbereitung, und auch Feiern können manchmal noch spannend sein. Selbst ein spontaner Café- oder Restaurantbesuch braucht heute etwas mehr Planung als früher. Dennoch lassen sie sich davon nicht einschränken.
„Wir möchten nicht, dass die Angst vor Gluten bestimmt, was wir tun oder lassen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Darauf konzentrieren wir uns lieber.“
Mehr Energie und innere Ruhe
Vielleicht ist das schönste Ergebnis ihres glutenfreien Lebens, wie sie sich heute fühlen. Bei Saar bemerken sie mehr Energie, mehr Ausgeglichenheit und eine bessere Entwicklung. Auch Ellen spürt deutliche Veränderungen.
„Ich merke, dass ich mich noch besser konzentrieren kann als früher. Ich schlafe besser und fühle mich insgesamt ausgeglichener.“
Es sind keine spektakulären Veränderungen von heute auf morgen. Gerade diese kleinen Verbesserungen machen jedoch einen großen Unterschied.
„Man merkt, dass der Körper weniger hart arbeiten muss. Dadurch bleibt mehr Energie für andere Dinge.“
Was viele Menschen unterschätzen
Laut Ellen ist Kreuzkontamination ein Thema, über das viele Menschen nur wenig wissen. Auch sie selbst hatten anfangs kaum Kenntnisse darüber. Heute wissen sie, wie wichtig scheinbar kleine Dinge sein können, zum Beispiel ein eigener Toaster oder separate Butter.
Zum Glück erleben sie, dass die meisten Menschen gerne helfen möchten, sobald sie verstehen, was Zöliakie bedeutet.
„Die meisten wissen einfach nicht genau, was das bedeutet. Wir selbst wussten es schließlich auch nicht, bevor wir damit konfrontiert wurden.“
Eine Botschaft für andere Betroffene
Wenn Ellen Menschen, die gerade erst glutenfrei essen müssen, einen Rat geben dürfte, dann diesen:
„Bleibt neugierig und entdeckt, was euch schmeckt.“
Ihrer Meinung nach konzentrieren wir uns oft sehr stark auf Brot, Getreide und Weizen. Deshalb wirkt es manchmal so, als würde man unglaublich viel verlieren, wenn man glutenfrei essen muss.
„Aber das bedeutet nicht, dass man nicht mehr gut essen kann. Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten.“
Ihr glutenfreies Leben beschreibt sie deshalb so:
„Eine große Entdeckungsreise mit immer mehr neuen Erkenntnissen.“
Und vielleicht fasst genau das ihre Geschichte am besten zusammen. Die Diagnose brachte Unsicherheit, Traurigkeit und Veränderungen mit sich. Vor allem aber brachte sie Antworten, mehr Energie und die Erkenntnis, dass ein glutenfreies Leben viel vielfältiger und erfüllender sein kann, als man zunächst denkt.
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